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Demokratie erleben

Freiwillige aus aller Welt auf Seminar in Berlin

Wie lebte es sich in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus? Wie sah es in Deutschland und insbesondere in Berlin zu Zeiten der deutschen Teilung aus? Und wie funktioniert die Demokratie in Deutschland? Diesen und weiteren Fragen gingen die 14 Teilnehmenden des Seminars „Demokratie erleben“ vom 11.11. bis 15.11.19 in Berlin nach. Das Besondere: Alle Teilnehmenden sind aus dem Ausland nach Deutschland gekommen, um hier einen Freiwilligendienste zu absolvieren. Sie kommen aus Syrien, Georgien, Armenien, Ukraine, Tadschikistan, Usbekistan, Senegal, Togo, Madagaskar, Indonesien und Venezuela. Einige von ihnen haben einen Fluchthintergrund.

Eindrücke über Deutschland im Nationalsozialismus konnten die Teilnehmenden bei ihrem Besuch der Ausstellung Topographie des Terrors sammeln. Hier informierten sie sich über die wichtigsten Einrichtungen des nationalsozialistischen Verfolgungs- und Terrorapparates. Das Zusammenwirken von Gestapo, Reichsführung-SS und Sicherheitsdienst mit dem Ziel jene, die der NS-Staat als Gegner und Feinde betrachtete, auszuschalten und die Menschen jüdischen Glaubens systematisch zu verfolgen, zu vertreiben und zu ermorden, konnten die Teilnehmenden bei ihrem Besuch erfahren. Dass auch Menschen mit Behinderungen während des Nationalsozialismus systematisch getötet wurden, war für die Teilnehmenden eine neue und erschreckende Erkenntnis. „Ich habe mich gefragt, wie das passieren konnte, was hat die Menschen so werden lassen?“, so Patricia, eine Teilnehmerin aus Venezuela.

Um sich über die Teilung Berlins zu informieren, besuchten die Teilnehmenden zunächst die Gedenkstätte Berliner Mauer. Besonders bewegend waren für sie die Schicksale der Todesopfer der Mauer. „Dass so viele Menschen durch die Mauer in Berlin ihr Leben verloren haben, war mir nicht bekannt. Besonders berührt hat mich der Fall der zwei kleinen Kinder, die in die Spree gefallen und ertrunken sind, weil niemand geholfen hat.“, sagt Koryun. Der 29jährige kommt aus Armenien und lebt jetzt in Celle.
Wie stark sich die deutsche Teilung auf die Menschen in der DDR ausgewirkt hat, konnten die Teilnehmenden ebenfalls beim Besuch des Tränenpalastes erfahren. An diesem historischen Ort wurde deutlich, wie und unter welchen menschenverachtenden Umständen die Ausreise aus der DDR nach Westberlin während der SED-Diktatur erfolgte.

Außerdem stand ein Besuch der Ausstellung "Durch Mauern gehen" im Martin Gropius Bau auf dem Programm. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November. Dieses Datum bedeutet vor allem den Ausgangs- und Anknüpfungspunkt für Trennendes und Ausgrenzendes bis heute und in vielen Facetten. Es geht um konkrete Mauern, aber auch solche, die unsichtbar vorhanden sind. Dieser Ausstellungsbesuch bot den Teilnehmenden einen besonderen Erfahrungs- und Erlebnisraum, zumal sie nicht zuletzt an ihre persönlichen Flucht- und Migrationsgeschichten erinnert wurden. Besonders das überdimensionale Wandbild "Beach of Plenty" (Strand der Fülle) von Michael Kvium beeindruckte die Teilnehmenden. Es zeigt einen Strand mit Urlaubern, die mit einem nahenden Flüchtlingsboot konfrontiert werden. Die Szenerie hat Züge von Erstaunen, Abwarten, Abwehren. Deutlich wird: Es gibt hier eine Mauer zwischen zwei Welten.

Der Besuch des deutschen Bundestages während einer Sitzungswoche war für die meisten Teilnehmenden ein sehr bewegender Moment. Am Ort des parlamentarischen politischen Zentrums der Bundesrepublik sein zu können und von der Besuchertribüne direkt den PolitikerInnen im Plenarsaal bei ihrer Arbeit zuzuschauen, war für sie ein Ausdruck gelebter und transparenter Demokratie. Die Erläuterungen zu den einzelnen Organen, zur Sitzverteilung, zum Ablauf von Plenarsitzungen, Abstimmungsverfahren und nicht zuletzt zur Geschichte und Architektur des Bundestages stieß auf reges Interesse. Der Besuch der Kuppel schloss diesen Seminartag eindrucksvoll ab. „Es war für mich ein ganz besonderes Gefühl in dem Plenarsaal vom Bundestag zu sein. Ich weiß jetzt mehr über die Geschichte Deutschlands und die Demokratie.“, sagte Aina. Sie kommt aus Madagaskar und lebt nun in Hannover.

Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch bei Carolin Dembowski,  einer Mitarbeiterin des Bundestagsabgeordneten und SPD-Generalsekretärs Lars Klingbeil. Frau Dembowski  schilderte, wie sie den Büroalltag in Berlin organisiert und dass sie Ansprechpartnerin für Besucher im Bundestag sei, Bürgeranfragen beantworte und die Wahlkreistermine inhaltlich vor- und nachbereite. Für die Teilnehmenden war der Blick „hinter die Fassade“ eines Politikeralltags eindrucksvoll.

Am letzten Abend besuchten die Teilnehmenden das Kult-Lokal „Clärchens Ballhaus“, das bereits seit 1913 existiert. Den Teilnehmenden gefiel vor allem das sehr gemischte Publikum und die besondere Atmosphäre in diesem „Tanzlokal“.

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